Kallmann, Silve

Kallmann, Silve *1.5.1888 in Irrel, wohnhaft Kölner Str. 4, Viehhändler, 1938 Verkauf des Hauses mit Wohnrecht, Zwangsarbeit in der Ziegelei in Quint, am 23.04.1942 deportiert,  zusammen mit Ehefrau Sophie, Sohn Kurt und Tochter Else, alle im Mai 1942 in Belzec ermordet.

Sophie Kallmann, geb Jakob * 24.6.1890 in Spiesen,

Else Kallmann * 3.8.1921 in Bitburg,  

Kurt Kallmann * 12.10.1923 in Bitburg;

alle vier im Mai 1942 in Belzec ermordet

 

„Ich war im Weltkrieg Soldat, mir passiert nichts.“ Ein tödlicher Irrtum. Die meisten jüdischen Mitbürger hatten bis 1938 mit ihren Familien Bitburg verlassen. Nicht so Silve Kallmann. Der jüdische Viehhändlern war sich sicher, dass die Nazis ihm und seiner Familie nichts anhaben konnten.

Kallmann wurde am 1.5.1888 in Irrel geboren. Nach dem 1. Weltkrieg heiratete er Sofia Jakob aus dem Saarland und zog nach Bitburg. 1921 wurde die Tochter Else, 1923 der Sohn Kurt geboren. Die Familie bewohnte ein Haus in der Kölner Straße; Kallmann schien zu einigem Wohlstand gekommen zu sein. Ende 1938 musste er sein Haus verkaufen, konnte es aber noch eine Zeit lang bewohnen. Ab 1.4.1939 musste die Familie auf Anweisung des Regierungspräsidenten eine „angemessene“ Miete zahlen.  Der Kaufpreis für das Haus wurde am 8.10.1940 nachträglich herabgesetzt. ( Dokument 014 ) Silve Kallmann wurde inzwischen zur Zwangsarbeit in einer Backsteinfabrik in Quint verpflichtet ( Dokument 016 ). Mittlerweile waren die Kallmanns die einzig verbliebene Familie in Bitburg. Sein Cousin Jakob musste mit Frau und Sohn und Berta Meier, die zwischenzeitlich ebenfalls in der Kölner Str. wohnten,  nach Sülm ins Haus des Juden Max Ruben verziehen ( Dokument 015 ), von wo diese am 28.7.42 über Trier nach Polen deportiert wurden. (Dokument 034 ) Silve Kallmann wurde aufgefordert verbliebene Woll- und Pelzsachen abzuliefern. In der Liste vom 16.1.42 wurden u.a. 1 Paar Handschuhe und 3 Paar Strümpfe aufgezählt. (Dokument 023 ) Auch Elektroartikel mussten abgegeben werden, darunter fielen auch ein Bügeleisen und ein Kochtopf. Über alle diese Beschlagnahmungen wurde seitens der Verwaltung ordentlich Buch geführt und Quittungen ausgestellt. ( Dokument 030 )

Am 9. April 1942 schickte der Landrat dem Bitburger Bürgermeister eine Liste der zur „Evakuierung“ anstehenden Juden zu. Mit Evakuierung wurde der Begriff Deportation beschönigend umschrieben. In den Melderegistern sollte auch „unbekannt verzogen“ oder „ausgewandert“ vermerkt werden. (Dokument 025 ) Ausführlich wurde im Schreiben des Landrats das Prozedere, die Reiseroute, der Umfang des Gepäcks, die Anzahl der Lebensmittelkarten und die Menge des Bargelds vermerkt. Absolute Geheimhaltung wurde angeordnet. Am 14.4. forderte die Gestapo Trier den Landrat auf, die Abschiebung bis spätestens 23.4.42, 12.00 Uhr vorzunehmen. An diesem Tag bescheinigte der Kriminalsekretär Plichta, dass der Schutzpolizist Marx aus Bitburg die Familie Kallmann im Bischof -Korum-Haus in Trier abgeliefert habe. ( Dokument 026 /Dokument 027)  Am nächsten Tag wurde die Familie über Stuttgart nach Izbica in Polen deportiert. Dort traf der Transport am 29.4.42 ein. Wenige Tage später wurden alle im KZ Belzec ermordet.

1961 wurde Kallmann vom Amtsgericht Bitburg für tot erklärt. Als Datum wurde der 8. Mai 45, der Tag der Kapitulation des Deutschen Reichs, festgelegt.

1995 wurde Silve Kallmann im Gedenkbuch von Yad Vashem aufgenommen.

 

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