Juda, Klara

Juda, Klara (auch Clara geschrieben) geb. Stern *9.2.1888 in Köln,  wohnhaft  Am Markt, von Bitburg  1921 nach Bonn, 1936 nach Befort verzogen. Am 28.07.1942 wurde sie zunächst ins Ghetto Theresienstadt deportiert, am 29.1.1943 zum KZ Auschwitz überstellt und dort am 29.02.1943  ermordet (Ehemann Heinrich Juda starb 1921).

Klara Juda war die Mutter von Karl Juda, geboren 1910 in Bitburg. Mit seiner Mutter emigrierte er Ende 1935 nach Walferdingen in Luxemburg, später nach Weiler und Befort. Dort bewirtschaftete er einen kleinen Bauernhof. Der Erwerb zwang die Witwe einen Gutshof unweit von Bitburg unter Wert zu verkaufen. Nach der Besetzung Luxemburgs 1940 durch die Deutschen, begannen auch hier die Schikanen gegen die Juden. Karl Juda war als Landwirt und  Fußballspieler gut integriert in Befort. Als den Juden angeordnet wurde, eine Armbinde mit Judenstern zu tragen, hängte Karl diese seinem Schäferhund um den Hals. Die Dorfbewohner waren begeistert von dieser Frechheit und noch heute wird von älteren Einwohnern davon erzählt. Allerdings wurde der Vorfall gemeldet und Karl Juda kam zur Zwangsarbeit in ein Arbeitslager zum Bau der Autobahn nach Greimerath. Nach einiger Zeit gelang ihm die Flucht. Zuerst kam er nach Düsseldorf, wo er mehrere Monate bei einem Bäcker Unterschlupf fand. Als die Lage dort zu gefährlich wurde, fuhr er ohne Papiere quer durch Deutschland bis nach Rheinfelden an die Schweizer Grenze - ein hochriskantes Unternehmen. In einer Sommernacht 1942 durchschwamm er den Rhein und betrat bei Kaiseraugst schweizer Boden. Ein paar Tage arbeitete er dort als Bademeister, wurde aber bald als illegaler Einwanderer verhaftet. Die schweizer Zöllner wollten ihn am Grenzübergang Basel den Deutschen übergeben. Es gelang ihm jedoch, die schweizer Zöllner zu überreden, ihn auf dem gleichen Weg wie er gekommen war "heim ins Reich" zu schwimmen zu lassen. In der Nacht kam er - ohne Anziehsachen, nur mit einer Badehose bekleidet - nach Deutschland zurück. Drei Tage lang versteckte er sich. Dann beobachtete er ein Paar, das mit Fahrrädern zum Baden an den Rhein kam. Er entwendete eines de Fahrräder und die Kleidung des Mannes, es war die Uniform eines Offiziers des Reichsarbeitsdienstes. Auch Brieftasche und Ausweispapiere ließ er mitgehen.

Nach einer abenteuerlichen Reise, bei der er mehr als einmal fast aufgeflogen wäre, gelangte er zurück nach Luxemburg. Dort erfuhr er, dass seine Mutter Klara zwischenzeitlich deportiert worden war. Karl wurde von dem Bauern Jodocy in Befort versteckt. Tagsüber saß er auf dem Dachboden, nachts half er bei Stallarbeiten. Fast zweieinhalb Jahre lebte Karl Juda mit der ständigen Möglichkeit entdeckt zu werden. Als am 10 September 1944 Befort zum ersten mal befreit wurde, schloß sich Karl Juda der Widerstandsbewegung "Union" an, wohnte aber noch auf dem Heuboden von Paul Jodocy. Während der Rundstedt-Offensive Ende 1944 verlief die Front quer durch Befort. Bei Kriegsende arbeitete Karl Juda bei den Amerikanern, zunächst als Dolmetscher, bis auffiel, dass er kein Englisch konnte. Bei den Amerikanern lernte er schließlich Johanna (auch Jeanne) Ingwer geborene Salomon, eine Auschwitzüberlebende, kennen (Dokument 036). 1947 heirateten sie. 1950 eröffneten sie das Bekleidungshaus Juda in Bitburg. 1979 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück. Bis 1985 war er noch Präsident des Echternacher Fußballclubs. Am 9.Mai 1991 verstarb Karl Juda.

 (siehe auch Schülerarbeit der Matthias-Schule über die Familie Juda; siehe auch Wolfgang Schmitt-Kölzer: Vor 75 Jahren: Jüdische Zwangsarbeiter aus Luxemburg an der "Reichsautobahn" in Greimerath bei Wittlich, in Kreisjahrbuch des Landkreises Bernkastel-Wittlich 2016, S 177 ff)

 

 

Thomas Barkhausen nach mündlichen Bericht von Henri Juda

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