Eine Marmorinschrift aus der Bitburger Synagoge

Eine marmorne Inschrift ist das einzige bekannte Relikt der Bitburger Synagoge. Dank eines aufmerksamen Besuchers konnte sie erstmals im Januar 2009 in einer Sonderausstellung des Kreismuseums Bitburg-Prüm zur Geschichte der Bitburger Synagoge vorgestellt werden. Wie der Überbringer berichtete, stammt sie aus dem Schutt des im Jahr 1952 abgebrochenen jüdischen Gotteshauses. Eine nähere Untersuchung des Textes bestätigt die Herkunft.

Die Tafel aus weißem, grau geädertem Marmor misst 20 x 13,3 x 2,1 cm und trägt eine sorgfältig gearbeitete, dreizeilige Beschriftung. Der Stein ist matt geschliffen und an den Rändern sowie in den Tiefen der Schriftzeichen stellenweise schmutziggrau verfärbt. Neben kleinen Bestoßungen der Kanten fallen deutlichere Beschädigungen in der Mitte der Tafel auf.

Dank Frau Dr. Ane Kleine von der Universität Luxemburg, konnte der Sinn der Inschrift rasch geklärt werden. Sie lieferte die Übersetzung und Deutung der Tafel und stellte sie am 18. Januar 2009 im Kreismuseum vor.

Der Originaltext lautet in lateinischer Umschrift

„Josef bar Elieser haLevi
ve-et ishto
Sara bat Mordechai haLevi“

und ist zu übersetzen als

„Josef, Sohn des Elieser Levy
und seine Frau
Sara, Tochter des Mordechai Levy“

Die Tafel überliefert also nur die Namen des Ehepaars Levy, ohne einen Hinweis auf den Grund der Nennung. Dies macht nur Sinn, wenn die Inschrift einst in einem größeren Zusammenhang zu sehen war, am ehesten mit einem weiteren Text. Denkbar wäre eine größere Gedenktafel zu Ehren von Stiftern und Wohltätern der Gemeinde, der die vorliegende und weitere Tafeln zugeordnet waren. Solche Gedenkinschriften sind aus verschiedenen Synagogen bekannt. Sie waren meist in der Nähe des Eingangsbereiches angebracht.

Für eine solche Deutung spricht auch ein Eintrag in den Grundbuchakten. Ein „Josef Levy und seine Frau Sara geb. Levy“ werden unter den sechs Familien genannt, die im Jahr 1876 das Grundstück zum Bau der Synagoge erworben hatten. So geht es aus einer Erklärung hervor, die die Beteiligten bzw. deren Nachfahren bei der Aufstellung des Grundbuches am 22. Februar 1900 vor dem Bitburger Amtsgericht abgegeben hatten. Die Inschrift ist damit das einzige bekannte Relikt des Gebäudes und zugleich ein Andenken an die Gründung der Synagoge.

Die Tafel erinnert aber auch an den Untergang der Gemeinde und damit an all jene jüdischen Mitbürger, die in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur verfolgt und ermordet wurden. Offensichtlich haben die Verwüstungen der „Kristallnacht“ ihre Spuren im Stein hinterlassen. Rund ein Dutzend unterschiedlich tiefe Schlagmarken sind auf der Vorderseite zu erkennen. Sie konzentrieren sich deutlich in dem Bereich um die mittlere Zeile. Dies lässt vermuten, dass man zu einer Zeit, in der die Tafel noch auf oder in der Wand angebracht war, mit gezielten Hieben auf die Inschrift einschlug. Am ehesten kommt hierfür die Schändung der Bitburger Synagoge am 9./10. November 1938 in Frage.

Die Marmorinschrift erinnert damit in einzigartiger Weise an die Geschichte der Juden in Bitburg. Sie steht für den Anfang und das Ende der Synagoge, und ist damit ein Beleg für ein Kapitel unserer Geschichte, dessen Zeugnisse selten geworden sind. Im Kreismuseum hat sie einen würdigen Platz gefunden.

Burkhard Kaufmann

(Der Text bildet die leicht gekürzte Fassung eines Beitrages aus dem Heimatkalender Bitburg-Prüm 2010, S. 122-125.)

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