• Home
  • Geschichte
  • Entstehung und Entwicklung der jüdischen Gemeinde Bitburg

Entstehung und Entwicklung der jüdischen Gemeinde Bitburg

Vor 1800 gab es keine jüdischen Mitbürger in Bitburg. Wann die ersten Juden in Bitburg sesshaft wurden, ist unbekannt.

Im Jahre 1824 wird erstmals eine jüdische Familie mit 5 Familienmitgliedern erwähnt. Es handelte sich dabei wahrscheinlich um den Handelsmann Kallmann Pelzer (* um1792), der aus Kordel stammte und der um 1820 mit seiner Frau Katharina Say und zwei Kindern aus Trier nach Bitburg kam. Dem Ehepaar wurde in Bitburg 1826 noch ein weiteres Kind, das Mädchen Henriette, geboren, nachweislich das erste jüdische Kind, das in Bitburg zur Welt kam.

Pelzer wird als „Handelsmann“ bezeichnet. Sein Sohn Hermann (+ 1886) blieb in unserer Stadt und gründete in Bitburg ein kleines Kaufhaus. Ihm wurden 12 Kinder in Bitburg geboren. Um 1835/36 zog der Jude Marx Levy mit Frau zwei Kindern als zweite jüdische Familie nach Bitburg. Levy stammte aus Aach bei Trier. Seit 1836 wurden ihm in Bitburg noch 5 Kinder geboren. Nach amtlichen Unterlagen zählte man am 31.Dezember 1848 17 Juden in der Stadt. Im gesamten Kreis Bitburg lebten damals 41 Juden. Neben Bitburg bildete Bollendorf mit 8 Juden die zweitgrößte Gemeinde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Zahl der jüdischen Mitbewohner ständig. Aus Neumagen an der Mosel kamen um 1860 die Brüder Joseph (* 1842) und Simon Juda (* 1833), gründeten hier Familien und wurden Bitburger. Sie bauten ein stattliches Haus am Marktplatz im heutigen Karenweg. Etwa 1875 nahm der Viehhändler und Geschäftsmann Karl Kaufmann (geb. 1846 in Kornelimünster) Wohnung in Bitburg, nachdem er Babette Juda (* 1848 in Neumagen), vermutlich eine Schwester von Joseph und Simon, geheiratet hatte. Er wurde Nachbar der Familien Simon Juda, gründete ein Geschäft mit Landesprodukten, das sich sehr schnell positiv entwickelte. Etwa zur selben Zeit um 1875 zog der Handelsmann Josef Joseph (* 1842 in Aach) mit seiner Familie nach Bitburg. Um 1900 nahmen schließlich die Familien Siegmund, Siegfried und Silve Kallmann (alle drei aus Irrel kommend) und Isidor Meier (aus Pohl-Göns) Wohnung in Bitburg. Im Kreis Bitburg lebten im April 1848 nach amtlichen Unterlagen 41 Juden, 14 davon in Bitburg und 13 allein in Bollendorf. Um 1906, damals zählte die Stadt insgesamt rd. 3.100 Einwohner, umfasste die jüdische Gemeinde Bitburg bereits 72 Personen, das waren 2,2 % der Gesamteinwohner. Im Gesamtkreis Bitburg lebten damals 272 Juden bei rd. 45.500 Einwohnern, das entsprach rund 0,6 %. Die Juden in der Stadt Bitburg waren gut in der Gemeinschaft integriert. Die jüdischen Mitbürger betätigten sich als Viehhändler, Kaufleute oder Metzger (Fam.Joseph).

Der Anteil der jüdischen Bevölkerung in der Stadt Bitburg

Jahr                Gesamtbevölkerung         Juden             % der Gesamtbevölkerung

1822                          1.559                         5                                 0,3 %

1833                          1.727                         5                                 0,3 %

1842                          1.986                         10                               0,5 %

1848                          2.903                         17                               0,6 %

1885                          2.707                         38                               1,4 %

1906                          3.167                         72                               2,2 %

1925                          4.023                         60                               1,5 %

Die Einwohnerstatistik zeigt, dass es häufig Wohnungswechsel durch Zuzug oder Abwanderung gab. Um 1885 wanderte Salomon Levy (* 1823 in Aach), der älteste Sohn des ersten Bitburger Juden aus dem Haus Levy, mit seiner Frau und vier Kindern nach USA aus. Auch die Familie des Handelsmannes Max Joseph (* 1876 in Bitburg) erhielt um 1900 die Erlaubnis zur Auswanderung in die USA. Die Familie blieb jedoch zunächst in unserer Stadt, aber nach Tod des Familienvaters (+ 1918) verließen seine Witwe und die beiden Kinder Anfang der 20er Jahre Bitburg und suchten eine neue Bleibe in den USA.

Bereits 1859 bemühten sich die Bitburger Juden darum, als eigene Synagogengemeinde anerkannt zu werden. Das scheiterte aber zunächst an der zu geringen Zahl der Mitglieder. Im Jahre 1876 kauften sechs jüdische Familien ein Grundstück an der Ecke Rautenbergstraße/Neuerburger Straße. Hier sollte eine Synagoge entstehen. Am 7. März 1877 gestattete das Oberpräsidium der Rheinprovinz den Bitburger Juden die Abhaltung einer Hauskollekte bei allen Juden der Provinz, um die rund 14.000 Mark für den Grundstückskauf und die Baukosten aufzubringen. Das jüdische Gotteshaus sollte 50 Sitzplätze haben. Im ganzen Kreis Bitburg zählte man damals nur 12 jüdische Familien, davon lebten 9 in der Stadt. Die Grundsteinlegung erfolgte am 13. April 1877. An der Feier nahmen nach offiziellen Berichten „auch die städtischen Behörden sowie verschiedene andere Ehrengäste unserer christlichen Mitbürgerteil. Den Bauplan für die Synagoge hatte Kreisbaumeister Peter Julius Wolff unentgeltlich erstellt. Die feierliche Einweihung des Neubaus fand am 21. September 1878 statt. Der jüdische Lehrer Michael Levy aus Trier hielt die Festrede. Die jüdischen Bürger J. Juda, C. Kaufmann und C. Pelzer gründeten ein Festcomitée, das am Nachmittag zu einem öffentlichen Konzert im Garten des Hotels Well einlud, am Abend feierte man das Ereignis mit einem Festball. Der Bau wurde in der örtlichen Presse als „erste Synagoge der Eifel“ gefeiert. - Auch wenn die Bitburger Juden nun eine eigene Synagoge besaßen, eine Synagogengemeinde wurde nicht genehmigt, weil die Zahl der Juden dafür angeblich zu gering war. Auch im Jahre 1921 wurde dieser Antrag noch einmal abgelehnt.

Synagoge Nimsweg 1024
Ansicht der Bitburger Synagoge auf einer Postkarte, um 1910, Kreismuseum Bitburg-Prüm.

Da Bitburg keinen eigenen Beerdigungsplatz für Juden hatte, stellte die israelische Gemeinde 1880 und dann erneut 1885 bei der Stadt den Antrag auf Überlassung eines eigenen Beerdigungsplatzes. Der Stadtrat lehnte ab. Schließlich klagten die Juden 1889 gegen die Stadt, erst danach wies die Verwaltung ihnen einen eigenen Friedhof am heutigen Talweg an. Bitburgs Juden hatten ihre Toten bis 1890 in Aach bei Trier beerdigen müssen. - Auf Antrag bewilligte die Stadt den Juden 1900 ein Schulzimmer, ein eigener Lehrer wird aber bereits früher erwähnt. Seit 1908 zahlte die Stadt „bis auf Widerruf“ einen jährlichen Zuschuss von 50 Mark für den jüdischen Religionsunterricht, nach dem Ersten Weltkrieg erhöhte die Stadt ihren Beitrag auf 200 Mark, schließlich wegen der Inflation 1921 sogar auf 500 Mark. Im Jahre 1925 wurde der jährliche Zuschuss auf 200 und dann (1929) 100 Mark gesenkt, er wurde bis zum Beginn der NS-Diktatur gezahlt. - Der wohlhabende Weinhändler Jakob Juda wurde 1905 Mitglied des Stadtrates und nahm an der Entwicklung der Stadt lebhaften Anteil. Zwei Bitburger Juden ließen im 1. Weltkrieg ihr Leben: Hermann Pelzer (* 1889 in Bitburg, gefallen als Leutnant 1917)., ein Sohn des Textilkaufmanns Karl Pelzer, und der Metzgermeister Josef Joseph (* 1879, gefallen 1918), der um 1900 aus Welschbillig nach Bitburg gekommen und hier sesshaft geworden war.

Dr. Peter Neu

LITERATUR zu „Bitburger Juden“:



Burkhard Kaufmann: Neues zur Geschichte der Bitburger Synagoge. HK Eifelkreis Bitburg-Prüm 2009, S. 133 – 141.

Willi Körtels, Die jüdische Schule Bitburg. In HK Eifelkreis Bitburg-Prüm 2013, S. 90 – 93.

Drucken E-Mail